Familie Peter
(später auch Petri und Petreius)
Der Familienname Peter taucht in der Langendorfer Geschichte relativ früh auf. Das erste nachweisbare Familienmitglied war Heinrich Peter, der im Jahr 1391 starb.
Nach diversen Rechnungsbelegen der Abtei Fulda lässt sich belegen, dass er in Langendorf Lehensgüter der Benektiktinerabtei Fulda besaß.
Er hatte mindestens zwei Söhne. Zum einen den älteren Hinz Peter, der sich in Weyers bei Fulda ansässig machte und zum anderen den jüngeren Hennel (Johann) Peter, der die Langendörfer Güter übernahm.
Dieser Hennel Peter übergab wiederum den Besitz seinem Sohn Petrus Peter (auch Eitel Peter). Sein zweiter Sohn Johann Peter war der erste Drucker dieser Familie.
In Langendorf
geborene Drucker der Familie Peter
|
Peter, Johann
|
Aus seiner Jugendzeit in Langendorf ist
nichts mehr in Erfahrung zu bringen. Es gilt als wahrscheinlich, dass er
die Druckkunst in Mainz, noch zu Gutenbergs Tätigkeiten gesehen hat.
Danach hat er wie wir mittlerweile wissen als "Wanderbuchdrucker"
in Passau gewirkt und wanderte schließlich nach Basel aus, wo er vor
seiner Selbständigkeit eine Druckergemeinschaft mit Johannes Froben aus
Hammelburg und Johannes Amerbach einging.
|
So und in ähnlicher Form
verwendetes Gemeinschaftsdruckerzeichen von Amerbach, Froben und Petri. |
|
Petri, Adam
|
Neffe des Johannes Petri arbeitete in der
Basler Druckerei mit und übernahm diese nach J.P´s Tod. Erste Erwähnung
als Drucker findet sich 1505. Das Bürgerrecht erwarb er in Basel 1507.
Adam P. druckte bedeutende Werke vor allem von Martin Luther.
Holzschnittbordüren und -initialen von den Künstlern Urs Graf und Hans
Holbein schmücken viele seiner Drucke. Adam´s Witwe heiratete den Gelehrten Sebastian
Münster, der später die "Cosmographia" schrieb, die
schließlich auch bei den Petri´s gedruckt wurde.
|
Unter Adam entstand das
eigentliche in einigen Variationen existierende Verlagsdruckerzeichen. |
|
Petreius,
Johannes
|
Johannes Petreius wurde in
Langendorf als der Enkel von Petrus Peter geboren, der ein Bruder des
Johannes Peter war. Der Vater von J. Petreius nannte sich ebenfalls Petrus
Peter (der Jüngere), weshalb es häufig zu Verwechslungen kam. J. P.
druckte in Nürnberg zum Schluß am Oelberg unterhalb der Festung so
bedeutende Drucke wie "De revolutionibus orbium coelestium" von
Copernikus. Berühmt war er auch für seine sauberen und fast fehlerfreien
Notendrucke. Johannes Petreius Frau war Barbara Neudörfer, die Schwester des
bekannten Rechenkünstlers Johann Neudörfer. Neben seiner
Druckertätigkeit war er in gleichen Maße selbst Gelehrter und
absolvierte ein Studium an der Universität in Basel mit dem "baccalaureus
artium". Anfangs korrigierte er noch die Drucke bei seinem Verwandten
Adam Petri in Basel. |
Sein Druckerzeichen beschreibt das Bibelzitat "Das Wort Gottes ist feurig und durchdringender als ein zweischneidiges Schwert."
|
|
Johannes und Adam Petri nannten sich in vielen ihrer Drucke als Bürger Basel´s mit Herkunft aus Langendorf, wie in dem ersten von Johann Petri selbst firmierten Druck "Opera omnia Divii Ambrosij" aus dem Jahr 1506 oder darunter in einem Druck Adam´s aus dem Jahr 1515 mit Gruss an die Leser. |
||
|
|
||
Der bereits in Basel geborene Sohn Adam
Petri´s, Heinrich Petri (geb. 1508) führte den Familienbetrieb weiter.
Am 31.12.1527 wird auch er ein Mitglied der Safranszunft und heiratete 2 Jahre
später Dorothea Hütschy. Sie wurde 1564, wie auch zweier Heinrich´s Töchter
von der Pest dahingerafft.
1565 heiratet er zum zweiten mal. Es ist Barbara Brand, die Witwe des im selben
Jahr verstorbenen Hieronymus Froben.
Der Verlag wuchs unter Heinrich P., nicht zuletzt wegen des Einflusses seines
gelehrten Stiefvaters Sebastian Münster, beträchtlich. Neben den theologischen
Schriften erschienen in zunehmenden Maße auch wissenschaftliche Abhandlungen in
Gesamtausgaben.
Im Jahr 1556 schließlich wird Heinrich von Kaiser Karl V. geadelt.
Nach dem Tode Heinrich´s führt dessen Sohn Sebastian
Henric-Petri (*1546, gest. 1627) die Druckerei weiter, die sich in dieser
Zeit "Officina Henricpetrina" oder auch nur "bei den Henric-Petrinischen" nennt.
Viele, schon bei Heinrich entstandenen Drucke werden bei Sebastian neu
aufgelegt. Der Dreißigjährige Krieg läßt die Einnahmen langsam versacken und
selbst Bücher mit einstmals hoher Nachfrage wie Sebastian Münster´s
Cosmographia, können den Verlag -trotz kostengünstiger
Neuauflagen- nicht mehr retten.
Am 26. März 1626 ging der Verlag in Konkurs.
| Auch Heinrich Petri und seine Nachfolger benutzten weiterhin das Druckerzeichen, welches die Bibelstelle aus Jeremias 23,29 symbolisiert: "Ist nicht mein Wort wie Feuer, spricht der Herr, wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?" |
|
| Auch heute
noch findet sich dieses Druckerzeichen in Büchern des Schwabe-Verlages.
Nach Konkurs der Petri´s Mitte des 17. Jahrhunderts verliert sich der
Name Petri allmählich. Die Geschichte der Druckerei bzw. des Verlages
lässt sich allerdings weiterverfolgen. So gelangt sie über die Namen
Decker, Thurneysen, und Schweighauser im Jahr 1868 an Benno Schwabe. Mit
seinem Namen wird das Erbe der Petri´s bis zum heutigen Tag
fortgeführt. (http://www.schwabe.ch) |
|
| Zurück |